Christiane Eller, pensionierte Pastorin aus Rostock - Beitrag aus dem Jahr 2014 für die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
Vorwort von Christiane Eller März 2026: Diesen Text habe ich 2014 für die Zeitschrift des Frauenwerks der Nordkirche geschrieben. Er wurde nicht gedruckt, wohl aus der Befürchtung zu aktuell zu sein - und zu politisch. Ein paar Kleinigkeiten würde ich heute anders schreiben, aber das grundsätzliche Thema bleibt: dass wir in Deutschland die Ukraine (und Osteuropa überhaupt) kaum kennen und uns überwiegend auch nicht interessieren wollen.
> Christiane Eller, Frauenwerk der Nordkirche in Mecklenburg-Vorpommern, bereiste im Sommer 2013 die Ukraine.
Hier ihre immer noch aktuellen [2014] Eindrücke:
Vergesst uns nicht! Auch wir wollen Europa sein.
Wenn Sie diesen Brief aus dem Frauenwerk in der Hand halten, hat sich die Situation vielleicht schon wieder verändert. Ich meine das, was in der Ukraine geschieht.
Ich wage es schon fast nicht mehr zu hoffen und doch wünsche ich mir eine Verbesserung der Lage aus tiefstem Herzen.
Im August 2013 war ich im Rahmen meines Sabbaticals einen Monat lang in diesem schönen Land, in Odessa, Lemberg und Czernowitz. Es war insgesamt meine vierte Reise in die Ukraine.
Am 2. Mai hat es in Odessa eine Auseinandersetzung zwischen Separatisten und proukrainischen Kräften gegeben, die mit der Besetzung des Gewerkschaftshauses, einem Brand und fast 50 Toten endete. In der Ostukraine wird trotz einer Waffenstillstandsvereinbarung immer noch gekämpft. Inzwischen sind Tausende Menschen – Soldaten, Zivilisten, prorussische Separatisten – in der Ostukraine gestorben. Ein malaysisches Passagierflugzeug wurde abgeschossen.
Die Krim ist von Russland annektiert; zu hören ist von dort so gut wie gar nichts mehr.
Am 4. Mai, dem Europasonntag, war Ralf Haska, der Pfarrer der deutschen lutherischen Kirchengemeinde in Kiew, zu Gast im Gottesdienst unserer Rostocker Gemeinde, um zu predigen und von der Situation in der Ukraine zu erzählen.
Damals hatte sich mein Eindruck verstärkt, dass nicht wenige Menschen bei uns in Deutschland – vorsichtig formuliert – kaum etwas wissen von dem, was in der Ukraine geschieht und in den letzten Monaten geschehen ist. Die Berichterstattung und Kommentierung in unseren Medien, eingeschlossen die sogenannten seriösen, war lange Zeit alles andere als gut.
Trotzdem „wissen“ scheinbar nicht wenige Menschen sehr klar, was Sache ist und vor allem, was die Ukrainerinnen und Ukrainer tun und noch besser lassen sollten. Statt von revolutionärem Umbruch wurde von einem Putsch gesprochen, sogar von Menschen, die die friedliche Revolution in der DDR mitgestaltet haben.